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Vita

Annette Haug wurde 1966 in Ulm geboren. Von 1991-1997 studierte sie Grafikdesign an der Merz-Akademie für Gestaltung in Stuttgart und von 1997-1998 Malerei und Performance an der Staatlichen Akademie der Künste. In den Folgejahren arbeitete sie als Schriftstellerin und Grafikerin. Im Jahr 2011 nahm sie die Malerei wieder auf. Seither folgten zahlreiche Gruppen- und Einzelausstellungen in Kunstvereinen und Galerien. Als Künstlerin beansprucht Annette Haug außerdem die Künstleridentitäten Pola Polanski und Amy Hany. Die Künstlerin lebt und arbeitet in Stuttgart.

 

Kunstmessen

2017 Galerie Michaela Helfrich, Art Market Budapest

 

 

Einzelausstellungen

2018 Kleine Galerie, Bad Waldsee
2017 Ebene0, Stuttgart
2016 Galerie daneben, Köln
2015 Galerie Art+Concept, Soest
2014 Kultur am Kelterberg, Stuttgart Vaihingen
2014 Zero Arts, Stuttgart
2014 Galerie Constanze Reinhardt, Stuttgart

 

Gruppenausstellungen

2018 Württembergischer Kunstverein, Künstlerbücher, Linienscharen, Stuttgart
2018 Oberwelt, Stuttgart
2018 Kunstverein Neuhausen
2018 Galerie Michaela Helfrich, Berlin
2018 Galerie Sahra Haberkern, Stuttgart
2017 Galerie Sahra Haberkern bei Coworking, Stuttgart
2016/17 Galerie Angela Lenz, Feldberg-Falkau
2016 Galerie daneben, Köln
2016 Kunstverein Wörth, Wörth am Rhein
2016 Oberwelt, Stuttgart
2016 Jurierte Ausstellung, Kultur am Kelterberg, Stuttgart
2015 Galerie Art+Concept, Soest
2014 Kultur am Kelterberg, Stuttgart Vaihingen
2014 Villa Zierer bei München
2013 Oberwelt, e.V., Stuttgart
2011 Kunstverein Feuerbach, Stuttgart
Württembergischer Kunstverein, Stuttgart
Performances, op-Nord, Stuttgart
Kaufpark Freiberg, Stuttgart
Dillmann Kunstmarkt, Stuttgart

 

Atelierrundgänge

Lange Nacht der Museen, Atelier Stuttgart
Offenes Atelier, Kultur am Kelterberg, Stuttgart Vaihingen

 

 

Paradise lost

 

Über die Kunst von Annette Haug aus den Jahren 2011 - 2016

Bitter-süß soll meine Kunst daher kommen. Filmstills, Porträts, Mädchen, Frauen, Marilyn Monroe, die Skelette der Fiesta de los Muertos und Bambi – die Bezüge in Annette Haugs Kunst sind zahlreich und bilden einen eigenwilligen und zugleich schlüssigen Kosmos, gefärbt in Tusche, Schrift, Collage und Acryl. In diesen Medien bringt die Künstlerin ihre Motive zu Papier und bewegt Fragen nach Identität, Kindheit, Unschuld, Vergänglichkeit und Geschlechterrollen – im Besonderen die gesellschaftlichen Codes von Weiblichkeit. Eine Konstante ihres Werks ist die Überlagerung einer friedlich-angepassten Welt, die von düsterer Schwere, grotesken Fratzen und leeren Blicken durchzogen wird. Sie verweist auf die Doppelbödigkeit gesellschaftlicher Klischees indem sie die dunkle Seite des Menschen beleuchtet und entlarvt damit gesellschaftlich-heuchlerische Wunschbilder.Im Fokus von Annette Haugs künstlerischem Interesse steht die menschliche Gestalt. Die Künstlerin kratzt am Schein der Dinge, am Scheinen-Wollen des Menschen und befragt gesellschaftliche Rollengefüge und Anerkennungsmodelle. Ein Schwerpunkt ihrer Arbeit sind die zur Formel gewordenen Facetten der Weiblichkeit: die Unschuld des kindlichen Mädchens, der begehrenswerte Vamp, die heilige Mutter mit dem Kind, das bürgerliche Fräulein mit Frisur und Kostüm, das liebliche Dummerle. Die potentielle Harmonie von Annette Haugs Bildpersonal ist stets gebrochen und ist durchzogen von blutenden Farbtränen, Schusswunden, Vanitassymbolen wie dem Sensenmann, aber auch durch entstellte Gesichter, gezeichnet von Krankheit, Hoffnungslosigkeit und Hohn.

Annette Haugs Arbeiten liefern dem Betrachter damit beides: das gesellschaftliche Wunschbild und zugleich dessen Überzeichnung ins Groteske. Ihre Figuren werden Trugbilder, deren Innerlichkeit nach außen gekehrt zu sein scheint. Sie legen Nahe, dass Identität in der Brutalität enthüllt werden kann. Doch wie bei einem Vexierbild, kann der Eindruck des Betrachters kippen: sieht er das lieblich-süße Wunschbild, oder erkennt er dessen Entstellung? Ein unentscheidbares Wechselspiel. Annette Haug stellt mit ihren Arbeiten Fragen nach der menschlichen Identität und enthüllt makabere, im Alltag verdeckte Seiten des Selbst. Ihre Bilder sind dadurch nicht nur Spiegel menschlicher Wunschbilder, sondern auch Spiegel einer im Alltag verborgenen inneren Realität. Annette Haugs Arbeiten liefern dem Betrachter damit beides: das gesellschaftliche Wunschbild und zugleich dessen Überzeichnung ins Groteske. Ihre Figuren werden Trugbilder, deren Innerlichkeit nach außen gekehrt zu sein scheint. Sie legen Nahe, dass Identität in der Brutalität enthüllt werden kann. Doch wie bei einem Vexierbild, kann der Eindruck des Betrachters kippen: sieht er das lieblich-süße Wunschbild, oder erkennt er dessen Entstellung? Ein unentscheidbares Wechselspiel.

 

Ausstellung ›Pola Polanski – Tuschzeichnungen‹

 

Kleine Galerie, Wurzacher Straße 53, Bad Waldsee Vernissage am Sonntag, den 14. Januar 2018, 11 Uhr

RedeText

Von Herbert Köhler

Pola Polanski zeigt in ihrer Ausstellung in der Kleinen Galerie in Bad Waldsee einen kleinen Teil aus dem riesigen Fundus ihrer Tuschezeichnungen. Pola Polanski ist eine Alias-Identität, also ein Pseudonym, das sich die Künstlerin und Schriftstellerin Annette Haug speziell für die Präsentation ihrer Zeichnungen und Texte reserviert hat. Damit nicht genug: Annette Haug nutzt noch eine weitere Alias-Existenz als Amy Hany.

Alias oder Pseudonym. Es geht dabei nicht allein um virtuelle Platzhalter des Klarnamens der realen Person Annette Haug, sondern auch um einen distanzschaffenden Wechsel des Rollenkörpers im Gesellschaftstheater des Lebens und des Auftretens in der Kunst.

Nur um noch einmal ganz sicher zu gehen: Heute haben wir es mit Zeichnungen von Pola Polanski zu tun, die hier – verständlicherweise – in der Person Annette Haug anwesend ist.

Sie wurde 1966 in Ulm geboren, studierte von 1991 bis 1997 in Stuttgart Grafikdesign an der Hochschule für Gestaltung, Kunst und Medien, die seit 2011 kurz Merz Akademie genannt wird.
Das sich anschließende Kunststudium an der Akademie der Bildenden Künste Stuttgart musste abgebrochen werden. Geldverdienen als Grafikerin in einer Werbeagentur war nun angesagt. In den Folgejahren kam dann die Schriftstellerei dazu.
Seit 2011 treten Zeichnung und Malerei wieder mehr in den künstlerischen Vordergrund. Mit ein Anstoß dazu waren damals die Bilder der britischen Künstlerin Dawn Mellor, die sich Prominentengesichter vornimmt, um sie dann ikonografisch vom Sockel zu holen, also intelligent zu ›verhunzen‹. Ähnlich wie das die Adbusters der Street Art tun, wenn sie sich die Werbung vornehmen, um sie meist witzig ad absurdum zu führen.

Pola Polanskis Kunst fließt natürlich auch in ihre schriftstellerische Arbeit ein. Bisher veröffentlicht hat sie Amok Koma, ein Band mit Kurzgeschichten, dann ihr KünstlerinBuch Pola Polanski Works 2015-2016, den Künstlerroman Gaslighting [also Gasbeleuchtung] mit dem Untertitel Ein gefährliches Spiel um Liebe, Kunst, Macht und Geld‹ sowie den Kunst & Lyrik-Band Kronleuchterweitwurf.

Wer hier die Galerie betritt, merkt schon an der Hängung der Zeichnungen, dass es eher nach Atelieratmosphäre aussieht als nach einer aufgeräumten Passepartout-im- Rahmen-Präsentation. Zum Schrecken vieler Galeristen und Sammler begannen Künstlerinnen und Künstler in den 1980er Jahren dadurch ihre antimuseale Einstellung zu signalisieren, indem sie ihre Arbeiten meist mit Nadeln oder Nägeln an die Wand klatschten und damit – ganz beiläufig – ihren Werkstattcharakter unterstrichen. Mittransportiert wurde eine nicht immer ganz ernst gemeinte Verachtung des Ausstellungsbetriebs. An den Perforationslöchern konnte man dann in etwa abzählen, wie oft eine Arbeit schon umgehängt bzw. gezeigt wurde. Aber es gibt ja auch die etwas feinere Art mit den papierschonenden breiten Foldback- Klammern. Die nutzt Pola Polanski.

Kurzum. Die Künstlerin ist so gut wie ständig am Zeichnen und bringt mit dieser Art der Hängung ihren schnellen Arbeits- und Produktionsprozess zum Ausdruck. Keine Zeit verlieren ist die Botschaft.

Was wir sehen.
Pola Polanskis Konvolut an Tuschezeichnungen auf Papier und einige auf Leinwand besteht in der Hauptsache aus Porträts von Mädchen- und Frauengesichtern bzw. -gestalten. Die Vorlagen hat sie aus dem Internet. Aber auch Selbstporträts sind zu entdecken.
Viele ihrer Porträts sehen auf den ersten Blick aus, als ob sie direkt aus dem Frauenideal-Fundus gängiger Modemagazine entstammen würden. Doch schnell merkt man: da stimmt doch etwas nicht! Warum treten da etwa Skelette an die Oberfläche? Warum immer wieder Blut und physische Verletzung? Da scheinen Anmut und Todessymbolik zu kollidieren. Jugendliche Frische mit Mumienfleischoptik. Ästhetik mit Zerfallsdatum. Intaktes trifft auf Verstörendes, Kosmetisches auf Ruinöses, Idyllisches auf Boshaftes. Jede der Zeichnungen trägt diese Polarisierung in sich, mal weniger, mal mehr augenfällig. Aber die Spaltung der jeweiligen Erscheinung auf dem Bild – ihr Spektrum zwischen Leben und Tod – ist stets greifbar da.

Was ist da los, wenn sich jemand daran macht, gesellschaftlich verordnete Mainstream-Ästhetik auszuwählen, um sie dann zu demontieren, zu dekonstruieren, ja, gar zu ›verhunzen‹? Ist der schöne Schein so unerträglich, dass er geradezu boshaft nach unten korrigiert werden muss? Geht es da etwa um die Rache an diesem schönen Schein, um einen Schlag gegen das Erbauliche überhaupt? Treffen sich hier Wunschbild, Trugbild und Realbild zu einem verstörenden Stelldichein, um eine vorgegaukelte ideale Welt zu entwerten?

Steckt Provokation oder Destruktion dahinter, oder erschöpft sich Pola Polanskis schonungsloser Draufhalterealismus allein in renitenten Punk-Attituden?

Viele Fragen tun sich da auf. Fest steht: Das was jede Kosmetik verdecken soll, legt Pola Polanski wieder frei, indem sie in subkutanen, also unter die Haut gehenden Gesten die wahre Verfassung eines Gesichts oder einer Gestalt an die Oberfläche zerrt mit all dem hineingelegten psychischen und physischen Schmerz, der sich als Angst und Verzweiflung, Sarkasmus und Bosheit mobilisieren lässt. Man könnte hier durchaus an Arbeiten von Marlene Dumas, Gottfried Helnwein, Marilyn Manson, Roland Topor oder Manfred Deix denken, die den Schwerpunkt Verletzung auf unterschiedlichste Art in sich tragen.

In seiner ersten Duineser Elegie von 1912 könnte Rainer Maria Rilke den lyrischen Schlüsselsatz für einen solchen künstlerischen Ansatz geschrieben haben. Der lautet:
»Wer, wenn ich schriee, hörte mich denn aus der Engel // Ordnungen? und gesetzt selbst, es nähme // einer mich plötzlich ans Herz: ich verginge von seinem // stärkeren Dasein. Denn das Schöne ist nichts // als des Schrecklichen Anfang, den wir noch grade ertragen, // und wir bewundern es so, weil es gelassen verschmäht, // uns zu zerstören. Ein jeder Engel ist schrecklich.«

Schon Künstler wie Egon Schiele, James Ensor oder Otto Dix trugen einen ähnlich expressionistisch-decouvrierenden Impuls in sich. Wunde und Fratze sei die wahre objektive Realität der menschlichen Darstellung, ihr kosmetischer Teil dagegen sei schiere Blendung, eben um diese Wirklichkeit überhaupt ertragen zu können.

Es gibt noch weitere, in der modernen Kunstgeschichte liegende Ansätze.
Mit der 1919 begonnenen Sammlung von Bildwerken psychisch erkrankter Menschen durch Hans Prinzhorn etwa wurde der Fokus auf deren künstlerische Tätigkeit gerichtet und gezeigt, dass kreative Leistungen nicht allein von einer akademischen Ausbildung abhängen. Später (ab 1954) – in der Anstalt im österreichischen Maria Gugging – intensivierte der Psychiater Leo Navratil die künstlerische Arbeit mit seinen Patienten. Deren unverstellte Subjektivität und deren rohe, filterfreie Bildgebung hatten Künstler wie Jean Dubuffet tief beeindruckt und inspiriert. Art brut, eine Art Außenseiter-Kunst, wurde im Anschluss zum Stil erklärt. Diese Kunst der Außenseiter mit ihrem teils genialen Dilettantismus wurde zur u.a. Inspirationsquelle für Bewegungen wie Fluxus, Punk, Grunge und für weitere kreative Erscheinungen subversiver Haltungen in der Kunst bis heute.

Das alles könnte auch auf Pola Polanskis Kunst abgefärbt haben.
Fest steht: Pola Polanski verwandelt die Ursprungsoptik ihrer Porträtvorlagen in ikonografische Sprachrohre der eigenen oder konfabulierten Befindlichkeiten, indem sie im wahren Sinne solange an deren Image kratzt bis sie ihren ästhetischen Schein aufgegeben haben und ihre unverstellte Daseins-Folie an die Oberfläche lassen. Dann erst ist aus einer bloß optischen Erscheinung eine individuell definierbare Haltung geworden. Ein Konglomerat aus Leid, Schmerz und Bosheit verschmilzt im Elendsübermut. Und es wird klar, weshalb nach einer solchen Transformation fast jeder Engel schrecklich sein muss.

Pola Polanskis Tuschezeichnungen kitzeln also aus jeder zunächst affirmativ daherkommenden Ästhetik den Grad ihrer versteckten Pathologie an die Oberfläche. Oft bleibt jedoch das Kippphänomen, das die Betrachtenden frei entscheiden lässt, was an der Oberfläche gerade seine Wichtigkeit bekommen kann: die Fassade des Schönen oder die Realität des Hässlichen.

Und nur wer Abgrund und Höhenflug gleichermaßen kennt, kann diese Geschichten auch bildgebend überzeugend thematisieren.
Das tut Pola Polanski. Sie sieht sich die schöne Welt mit dem diagnostischen Blick ihrer ganzen Erfahrungen an.
Sie hat sozusagen den transluziden, transparenten, ja, diaphanen Röntgenblick.

 

Annette Haug ist Dipl.-Kommunikationsdesignerin FH mit 18 Jahren Berufserfahrung als Grafikerin in verschiedenen Werbeagenturen im Raum Stuttgart.

Im Moment freie Grafikerin, Webdesignerin und Künstlerin.

Für den Verband Bildender Künstler und Künstlerinnen Baden-Württemberg ist sie als Projektassistentin tätig.

Desweiteren macht sie die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit für den Kunstbezirk Stuttgart.

Sie hat ein abgeschlossenes Studium an der Merz Akademie in Stuttgart bei den Dozenten Diedrich Diederichsen und Gabriele Götz mit der Diplomnote 1,0.

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